„Bares für Rares“-Händler gibt sein letztes Geld für Weinbecher aus Silber

 „Bares für Rares“-Händler Wolfgang Pauritsch blättert seine letzten Scheine hin, um sechs antike Silberbecher zu kaufen. Und das nur, weil er sich von der Verkäuferin hat hochhandeln lassen.

Köln – Isabella und Sina sind Freundinnen aus Hildesheim. Bei „Bares für Rares“ wollen die beiden sechs Weinbecher aus Silber verkaufen, die Isabella von ihrem Stiefvater geerbt hat. Moderator Horst Lichter möchte denn auch gleich den Champagner hervorholen, um die guten Stücke angemessen zu würdigen.

Sechs Silberbecher aus dem 19. Jahrhundert kosten einen „Bares für Rares“-Händler seine letzten Scheine.
Sechs Silberbecher aus dem 19. Jahrhundert kosten einen „Bares für Rares“-Händler seine letzten Scheine. © ZDF (Screenshot: Fuldaer Zeitung)

Doch zuvor gibt Edelmetall-Fachfrau Dr. Heide Rezepa-Zabel, die kürzlich mit einem 30 Jahre alten Foto von sich für Aufsehen sorgte, ihre Expertise ab. Die innen vergoldeten Becher aus 800er Silber stammen aus der Zeit des sogenannten Historismus, dem späten 19. Jahrhundert.

„Bares für Rares“-Händler gibt letztes Geld für Silberbecher

Damals war vor allem in Hanau in Hessen eine ganze Industrie angesiedelt, die solche Historismus-Stücke gefertigt hat. Angelehnt waren die schmucken Gefäße an große Epochen der Vergangenheit, um die Häuser des gehobenen Bürgertums zu zieren. Die sechs Becher von Isabella etwa – rund mit birnförmigen Ausbuchtungen, die Form erinnert ein wenig an eine Ananas – lehnen sich an Vorlagen aus dem 16. Jahrhundert an.

Und tatsächlich stammen auch die sechs Silberbecher aus Hanau, wurden dort in der Manufaktur Schleissner & Söhne gefertigt, die seit dem frühen 19. Jahrhundert in der Stadt angesiedelt war. Etwa 1600 Euro wünscht sich Besitzerin Isabella für die dekorativen Trinkgefäße. Heide Rezepa-Zabel muss schmunzeln: „Offensichtlich haben Sie die aktuelle Entwicklung des Silberwerts nicht verfolgt.“

Isabella schwant Schlimmes: „Es ist weniger, oder?“ Doch ganz im Gegenteil, Rezepa-Zabel schätzt den Materialwert der Becher, die insgesamt 1414 Gramm auf die Waage bringen auf rund 2200 Euro. Ihre Expertise liegt gar bei 2500 bis 2800 Euro. „Das nehme ich auch“, freut sich daraufhin die Noch-Besitzerin – und streckt schon einmal die Hand nach der Händlerkarte aus, die ihr Horst Lichter auch umgehend aushändigt.

Antike Silberbecher lösen kurzes, aber heftiges Bietergefecht aus

Die Weinbecher begeistern dann vor allem „Bares für Rares“-Urgestein Wolfgang Pauritsch und sein Kollege Julian Schmitz-Avila aus Bad Breisig am Rhein – ganz in der Nähe des neuen Zuhauses des frischgebackenen Vaters Fabian Kahl. Mit 2000 Euro eröffnet Pauritsch den Gebotsreigen, in einem kurzen, aber schnellen Schlagabtausch steigern die beiden sich hoch auf 2400 Euro. „Ihr wart so schnell, ich hatte gar keine Zeit, mitzubieten“, beschwert sich Schmuckhändlerin Elke Velten dann auch. Allerdings eher mit einem Augenzwinkern, die Becher möchte sie gar nicht.

Wolfgang Pauritsch fragt also schließlich bei 2400 Euro nach dem Zuschlag. Doch Sina und Isabella wollen noch nicht einschlagen. „Ein runder Betrag, also 2500 Euro, wäre doch schöner“, argumentiert Sina. Pauritsch sieht das naturgemäß anders, stimmt aber nach einigem Zaudern doch zu.

Doch als er beginnt, das Geld abzuzählen, stellt der Österreicher fest – das reicht ja kaum. Tatsächlich muss er die letzten 100 Euro, die er hochgehandelt wurde, in 20-Euro-Scheinen abzählen. Alle größeren Banknoten sind bereits weg. „Jetzt bin ich nackt, finanziell“, sagt er lachend, während er den Deal mit dem obligatorischen Handschlag besiegelt.

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