Eine solche Verhandlung erleben die „Bares für Rares“-Händler nicht jeden Tag. Eine gut 100 Jahre alte Bronzeplastik stößt auf reges Interesse, doch dann verdirbt ein Enkel seiner Oma den Deal.
Köln – Helga und Robin aus Bremen wollen eine Bronze-Plastik aus dem frühen 20. Jahrhundert bei „Bares für Rares“ verkaufen. Oma Helga hat das Stück vor rund 50 Jahren mit ihrem Mann bei der Haushaltsauflösung eines Diplomaten erstanden. Nun möchte sie die Antiquität verkaufen und den Erlös unter ihren beiden Enkeln aufteilen.
Einer der Enkel, Robin, hat sie ins ZDF-Studio begleitet und stellt erst einmal Moderator Horst Lichter vor ein Rätsel. Denn der junge Mann begrüßt den 64-Jährigen mit den Worten „Horst, mein Akh“. „Wie hast du mich genannt“, will der verwirrte Lichter daraufhin wissen. Robin klärt auf: „Akh“ sei ein Begriff der Jugendsprache und bedeute „Bruder“.
Enkel verdirbt der Oma bei „Bares für Rares“ den Deal
Tatsächlich hat „Akh“ im Sprachgebrauch eine ähnliche Funktion wie die Begriffe „Bro“ oder „Bruder“, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Der Begriff stamme aus dem Arabischen und sei ein Ausdruck der Verbundenheit und des gegenseitigen Respekts. 2024 stand die Anrede auf der Liste zum Jugendwort des Jahres.
Horst Lichter jedenfalls zeigt sich begeistert über die Anrede und gibt sie gleich an seinen Experten Colmar Schulte-Goltz weiter. Dieser lacht nur und geht dann zur Bewertung der Bronzeplastik über. Diese stamme aus der Zeit zwischen 1900 und 1920, aus der Phase der sogenannten Ägyptomanie. Damals waren zahlreiche Pharaonengräber in Ägypten entdeckt worden, das wohl bekannteste 1922 von dem Briten Howard Carter, der das Grab des Pharaos Tutanchamun entdeckte.
Die Bronze zeigt genau eine solche Grabungsszene: einen Arbeiter, der den Sarkophag eines Pharaos ausgräbt. Laut Colmar könne es sich tatsächlich um das berühmte Tutanchamun-Grab handeln. Das ließe sich aber nicht belegen. Wahrscheinlicher sei eine symbolische Darstellung einer Grabungsszene.
2000 Euro wünscht sich Helga als Erlös, Colmar Schulte-Goltz setzt seine Expertise etwas niedriger an, hält 1400 bis 1900 Euro für möglich. Damit ist die Bremerin einverstanden. Also geht es für sie und Enkel Robin ins Händlerzimmer. Das Interesse an der Plastik ist dort groß. Eine Plastik dieser Art hat noch keiner der fünf gesehen.
Großes Interesse, kein Käufer: Antike Bronze bleibt in Familienbesitz
Zwar starten die Gebote mit 250 Euro niedrig, doch da gleich vier Händler mitbieten – neben dem frisch gebackenen Vater Fabian Kahl sind das David Suppes, Christian Vechtel und Markus Wildhagen – geht die Summe schnell in die Höhe. Bei 1600 Euro, die Wildhagen in den Raum stellt, ist dann zunächst Schluss. Als Helga die Experten-Schätzung nennt, zeigt sich der Düsseldorfer in seinem Gebot bestätigt: „Na, dann liege ich ja mittendrin.“
Helga signalisiert, dass sie gerne etwas mehr hätte. Doch da schaltet sich Enkel Robin ein. Mit einem Blick erst auf die Plastik, dann zu seiner Oma, sagt er: „Also, ich nehme sie auch gerne und stelle sie mir hin.“ Ob da nun echtes Interesse hintersteckt, oder er nur den Preis ein bisschen hochtreiben wollte, bleibt offen.
Denn die Händler sind gleich Feuer und Flamme für diese Idee, als Sammler und Antiquitäten-Liebhaber sehen sie es schließlich gerne, wenn ein Stück in der Familie bleibt. Und so stimmt auch Oma Helga zu, die beiden verlassen mit Skulptur und ohne Geld das Händlerzimmer. In ihrem Schlusswort stellt die Seniorin dann allerdings fest: „Na ja, das hatte ich mir ja ein bisschen anders gedacht. Aber wenn Robin die so gerne haben möchte.“ Und schiebt dann hinterher: „Dafür muss er jetzt seinem Cousin ein paar hundert Euro zahlen, ich wollte das Geld ja zwischen den Jungs aufteilen.“
Dass die „Bares für Rares“-Händler von einem Verkauf abraten, kommt immer mal wieder vor: So etwa im Fall eines Musikstudenten, der eine Erstausgabe der Partitur einer berühmten Symphonie verkaufen wollte. In anderen Fällen reißen sie sich gerade darum, wer ein Stück erwerben darf, wie im Fall einer antiken Jagdtrophäe, die einst Kaiser Wilhelm II. verliehen hatte.

