Trödel-Fund bei „Bares für Rares“: Ratingerin ahnt gar nicht, welcher Schatz vor ihr steht

 



Verkäuferin Heidi aus Ratingen bringt eine Bronze-Statue zu „Bares für Rares“. Im Händlerraum schießt der Preis plötzlich in die Höhe.

„Da ist einer aber zornig unterwegs, ne?“ Horst Lichter muss bei diesem Anblick erst einmal genauer hinschauen. Vor ihm steht ein ziemlich muskulöser Mann, komplett nackt und mit einer Waffe in der Hand. Zum Glück nur aus Bronze. Mitgebracht hat ihn Heidi aus Ratingen (NRW). Rund ein Jahr zuvor hatte sie die Statue auf einem Trödelmarkt entdeckt und offenbar sofort Gefallen an ihr gefunden. Ihr Mann war weniger begeistert. „Die passt nicht zu uns“, soll sein Urteil gewesen sein.

Nun steht der ungeliebte Mitbewohner bei „Bares für Rares“. Und dort stellt sich schnell heraus, dass Heidi auf dem Trödelmarkt einen durchaus interessanten Fund gemacht hat.

„Bares für Rares“-Expertin erkennt Düsseldorfer Künstler

Dr. Friederike Werner erkennt in der Statue die Arbeit des Düsseldorfer Bildhauers Hubert Netzer, der von 1865 bis 1939 lebte. Dargestellt ist ein „blitzschleudernder Zeus“, wobei die Expertin selbst Zweifel daran hat, ob sich die Figur wirklich so eindeutig zuordnen lässt. Netzer begann 1911 mit der Entwicklung der Figur und veränderte seine Entwürfe über mehrere Jahre. Später entstand eine monumentale Version mit einer Höhe von fünf Metern. Sie stand zunächst in Berlin, kam 1926 ins Düsseldorfer Rheinstadion und blieb dort bis 1974. Seit 2004 ist der restaurierte Koloss wieder in Düsseldorf zu sehen. Heute steht er auf einem Kreisverkehr.

Bronzestatue des blitzschleudernden Zeus von Hubert Netzer bei „Bares für Rares“ im ZDF.
Bronzestatue des blitzschleudernden Zeus von Hubert Netzer bei „Bares für Rares“ im ZDF. Foto: ZDF/Screenshot

Heidis Version ist deutlich handlicher. Sie besteht aus Bronze und steht auf einem marmorähnlichen Sockel. Der Zustand kann Werner überzeugen. Die Patina sei „sehr schön“, größere Beschädigungen findet sie nicht. Lediglich am Sockel ist eine kleine Stoßstelle zu erkennen.

Für ihre Statue wünscht sich Heidi 800 Euro. Damit liegt sie ziemlich genau auf einer Linie mit der Expertin. Werner schätzt den Wert auf 800 bis 1.000 Euro. Im Händlerraum zeigt sich wenig später allerdings, dass noch deutlich mehr drin ist.

Händler liefern sich Blitz-Gefecht um Bronze-Zeus

Auch dort zieht der nackte Muskelmann sofort die Blicke auf sich. Zunächst wird noch gerätselt, welcher Gott hier eigentlich vor den Händlern steht. Susanne Steiger interessiert der kunsthistorische Hintergrund offenbar nicht allein. „Vorne und hinten sind schön“, stellt sie beim Anblick der Statue fest.

Als Heidi erzählt, dass die fünf Meter hohe Version heute auf einem Düsseldorfer Kreisverkehr steht, hat Anaisio Güedes direkt eine Theorie. Bei dem Anblick könne es dort wohl durchaus zu Unfällen kommen, scherzt der Händler sinngemäß. Danach geht alles ziemlich schnell. Güedes startet mit 500 Euro, unmittelbar darauf fallen bereits 1.000 Euro. Über 1.200, 1.300 und 1.500 Euro klettert der Preis immer weiter.

Erst bei 2.000 Euro ist Schluss. Susanne Steiger gibt das letzte Gebot ab und bekommt den Zuschlag. Heidis Statue bringt damit doppelt so viel ein, wie Dr. Friederike Werner im besten Fall erwartet hatte.

Die Verkäuferin kann es selbst kaum glauben. „Ich bin total überrascht. Dass das so viel Geld geworden ist, hätte ich nicht gerechnet“, sagt Heidi nach dem Verkauf. Ihr Mann dürfte mit dem Ausgang des Besuchs bei „Bares für Rares“ ebenfalls gut leben können. Zu ihm nach Hause kommt der ungeliebte Muskelmann schließlich nicht zurück.

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