Eine mehr als hundert Jahre alte Bohrmaschine steht bei „Bares für Rares“ zum Verkauf, hergestellt bei der Firma Eschwege in Fulda – einem Familienunternehmen mit tragischer Geschichte.
Köln/Fulda – Die befreundeten Nachbarn Ulrich Kreis und Jochen Knoblich aus einem Stadtteil von Hagen bringen eine antike Handbohrmaschine mit zu „Bares für Rares“ ins Pulheimer Walzwerk. Jochen hat das antike Gerät an Ulrich weitergegeben für seine umfangreiche Hobby-Werkstatt.

Als der Freund dann feststellte, dass die Bohrmaschine zu Beginn des 20. Jahrhunderts hergestellt worden ist, dachte er gleich an Horst Lichter und sein Team. „Darf ich damit auch zu ‚Bares für Rares‘?“, fragte er Jochen. Dieser antwortete kurz und knapp: „Ich komme mit.“ Gesagt, getan – und schon stehen die beiden im ZDF-Studio. Vintage-Expertin Annika Raßbach, die seit Februar 2025 Teil des „Bares für Rares“-Teams ist, nimmt das Gerät genauer unter die Lupe.

Antike Bohrmaschine bei „Bares für Rares“ birgt tragische Geschichte
Dabei stellt die Fachfrau fest, dass die Handbohrmaschine in einem relativ kleinen Zeitfenster zwischen 1904 und 1910 produziert wurde. Bereits kurz darauf setzten sich die ersten elektrischen Bohrmaschinen durch, erläutert sie. Die Maschine von Jochen und Ulrich trägt den Namen „Regulateur“ und wurde von der Firma Gabriel Eschwege aus Fulda hergestellt.
Weitere Infos zum Unternehmen aus Osthessen liefert Annika Raßbach bei „Bares für Rares“ nicht. Dafür aber im Internet Anja Listmann, die Beauftragte für jüdisches Leben in Fulda. Denn bei der Familie Eschwege handelte es sich um eine jüdische Familie, die wohl bereits seit dem 17. Jahrhundert in Fulda gelebt hat – und deren Schicksal wie das so vieler Juden in Deutschland auf schreckliche Weise mit dem Holocaust verknüpft ist.
Nachzulesen ist das Schicksal der Familie Eschwege auf der von Anja Listmann betriebenen Internetseite juden-in-fulda.org. Demnach nahm ein Simon Nathan im Jahr 1811 den Namen Simon Eschwege an. Seine Familie lebte damals bereits mehr als 100 Jahre in Fulda.
Gabriel Eschwege wurde im November 1878 als Sohn von Samuel und Fanny Eschwege geboren. Mit seiner Frau Regina hatte er sechs Kinder. In den Erinnerungen seines zweitjüngsten Sohnes Benjamin berichtet dieser von dem „großen Geschäft für Maschinen und Werkzeuge“ seines Vaters. Nach der Machtübernahme durch die Nazis war Gabriel Eschwege schließlich gezwungen, sein Geschäft an Nicht-Juden zu verkaufen, berichtet der Sohn.
Gabriel Eschwege starb 1942 im Konzentrationslager Sobibor
Vier von Gabriels Kindern gelang rechtzeitig die Flucht aus Deutschland. Gabriel selbst, seine Frau Regina sowie die Söhne Meir und Felix hatten dieses Glück nicht. Sie wurden 1942 in den Konzentrationslagern Sobibor beziehungsweise Majdanek ermordet.

Nun, mehr als 80 Jahre nach Ende des Holocaust, ist eine Arbeit aus der Firma Gabriel Eschweges wieder aufgetaucht – auch wenn weder die Verkäufer noch die bei „Bares für Rares“ relativ neue Händlerin Liza Kielon, die die Handbohrmaschine für 120 Euro schließlich kauft, etwas vom traurigen Schicksal der Hersteller-Familie wissen dürften.
Erst kürzlich erlebte ein Paar aus Fulda eine Überraschung bei „Bares für Rares“ – ein DIN A4-Zettel verdoppelte den Wert ihres Verkaufs-Objekts.