Selten liegen bei „Bares für Rares“ die Vorstellungen von Experte und Händlern derartig auseinander wie im Fall einer Winterjacke mit „Simpsons“-Schriftzug. Der eine ist begeistert, die anderen nehmen das Vintage-Teil kaum ernst. Findet sich dennoch ein Käufer?
Köln – Theresa und Maik aus Berlin haben das 1998 gefertigte Merchandise-Stück der berühmten US-Fernsehserie „The Simpsons“ mit ins „Bares für Rares“-Studio nach Pulheim gebracht. Und tatsächlich sieht die Winterjacke erst einmal nicht besonders beeindruckend aus. Schlicht, ehemals vermutlich im ikonischen Gelb der Comic-Figuren gefärbt, das aber nach knapp 30 Jahren schon recht ausgeblichen ist.
Vorne links zeigt die Jacke eine Stickerei des Kopfes von Bart Simpson, dem Sohn der amerikanischen TV-Familie, die über Millionen Fans auf der ganzen Welt verfügt. Insgesamt sind die „Simpsons“ zu fünft: Vater Homer, Mutter Marge sowie Bart und seine Schwestern Lisa und Maggie. Seit 1989 sind mehr als 800 Episoden in 37 Staffeln produziert worden, wie „Bares für Rares“-Experte Sven Deutschmanek berichtet, der auch mal durch ungewöhnliche Aktionen für Unterhaltung sorgt.
Simpsons-Jacke löst Gelächter bei „Bares für Rares“-Händlern aus
Deutschmanek sowie Moderator Horst Lichter sind allerdings keine Fans der „Simpsons“, wie beide einmütig zugeben. Gleiches gilt für Theresa und Maik, die sich allerdings erhoffen, ihre Jacke – ein Fundstück aus einer Zu-Verschenken-Kiste in Berlin – an einen Liebhaber der Kult-Familie zu verkaufen. „Ich schaue gerne in solche Kisten und habe da schon das ein oder andere Teil gefunden“, berichtet Theresa, die selbst in den Bereichen Upcycling und Vintage aktiv ist, und etwa alten Schmuck oder andere Second-Hand-Stücke aufarbeitet und ihnen neues Leben einhaucht.
Die „Simpsons“-Jacke hat sie allerdings lieber im Originalzustand belassen – und erhofft sich nun einen Verkaufspreis von 80 bis 100 Euro. Dagegen hat allerdings Sven Deutschmanek etwas, der vor allem von der Verarbeitung der Jacke schwer beeindruckt ist. „Die ist super wertig verarbeitet“, schwärmt er, und meint damit vor allem die Bart-Stickerei vorne sowie den „Simpsons“-Schriftzug am Rücken der Jacke. Beides sieht auch nach fast 30 Jahren noch aus wie neu, kein Faden hat sich gelöst. 200 bis 300 Euro sollte das Stück schon bringen, ist er überzeugt.
Dabei hat er allerdings die Rechnung ohne die Händler gemacht. Denn die brechen erst einmal in Gelächter aus, als sie die Jacke sehen. Keiner der fünf – am Tisch sitzen Daniel Meyer, Susanne Steiger, Jos van Katwijk, Sarah Schreiber und Markus Wildhagen – scheint davon auszugehen, hier eine ernstzunehmende Rarität vor sich zu haben.
Wildhagen glaubt nicht, dass gelbe Jacken im 90er-Jahre-Stil in Deutschland einen Käufer finden, obwohl er eingesteht „wenn da Simpsons draufsteht, wird ein Schuh draus“. Die beiden Frauen – Steiger, die erst kürzlich ihre Kollegen mit einer persönlichen Geschichte rührte und Jung-Mama Schreiber – zeigen gar kein Interesse. Lediglich Daniel Meyer, der sich als Simpsons-Fan outet, und der Niederländer Jos van Katwijk („Ich sehe da schon einen Käuferkreis“) geben überhaupt Gebote ab. Und die liegen weit unter dem, was sich Theresa und Maik nach der unerwartet positiven Expertise erhoffen.
Simpsons-Jacke spaltet bei „Bares für Rares“ Experte und Händler
Mit 30 Euro steigt Daniel Meyer ein, Katwijk bietet mit. Als die beiden 80 Euro erreichen, kann Markus Wildhagen das schon nicht fassen: „Ihr seid ja verrückt.“ Bei 100 Euro ist dann aber auch für Meyer und Katwijk Schluss, der Niederländer ist Höchstbietender. Er geht davon aus, locker den Zuschlag zu bekommen. Als Theresa und Maik auf die deutlich höhere Expertise verweisen, kann er das kaum fassen.
Dann lässt er sich aber doch breitschlagen, auf 150 Euro hochzugehen. Denn die Berliner wissen gut zu verhandeln, verweisen auf den heutigen Neupreis von Winterjacken sowie den „iconic“ Simpsons-Schriftzug. Beide wissen dann aber auch, dass mehr als 150 Euro wirklich nicht drin sind. Daniel Meyer signalisiert klar, dass er raus ist; Markus Wildhagen „versteht die Welt nicht mehr“. Also schlagen Theresa und Maik nach kurzem Zögern ein. Und Jos van Katwijk hofft nun auf einen Liebhaber – denn eigentlich glaubt auch er, dass er mit 150 Euro zu viel für die Jacke gezahlt hat.
Dass sich Experten und Händler in ihrer Einschätzung einer Rarität nicht einig sind, kommt bei „Bares für Rares“ immer mal wieder vor, so etwa im Fall einer Diamant-Brosche, die ihren Weg in die ZDF-Show fand.
