Bei dieser Rarität stimmte doch irgendwas nicht? Das sah „Bares für Rares“-Experte Colmar Schulte-Goltz sofort.
Es gibt ein paar kleine, aber durchaus wichtige Regeln in der ZDF-Erfolgsshow „Bares für Rares“, die den Machern geradezu heilig sind. Zum einen dürfen in der Sendung keine Fälschungen verkauft werden. Die Fake-Rolex, das nachgemalte Bild, oder der vermeintliche Goldschmuck können also getrost zu Hause gelassen werden. Ebenso verboten sind Dinge, die nicht verkauft werden dürfen. Zum Beispiel, weil unterschiedlichste Gesetze es verbieten.
Die Rarität, die Stefan Neis am Montag (26. Januar 2026) mit zu „Bares für Rares“ gebracht hatte, fiel so richtig in keine der beiden Kategorien. Dennoch war sie schlussendlich nicht das, was sie vorgab zu sein. Doch beginnen wir einen Schritt vorher. Was hatte der 60-jährige Tischler aus Zilshausen denn überhaupt mitgebracht?
Mehr Schein als Sein bei „Bares für Rares“
Es war ein Pokal, den der Herr loswerden wollte, „ein angebliches Einzelstück“. Ein Pokal, der, wie „Bares für Rares“-Experte Colmar Schulte-Goltz erklärte, an die Barockzeit in England erinnere, an das Spät-Barock, genauer gesagt, die 1740er/50er-Jahre.
Aber kann das stimmen? Naja, es gab da Dinge, die den Kunst-Sachverständigen skeptisch machten. So seien diese Pokal weltweit geschätzt, dies habe aber auch dazu geführt, dass es neuere Produktionen gab. Leider gehörte Stefan Neis‘ Pokal genau dazu. An den Seiten der Trophäe nämlich waren Nähte, „das deutet darauf hin“, so Schulte-Goltz, „dass die enorm dicke Wandung nicht getrieben“ sei. Es wurden lediglich zwei Hälften gegossen, zusammengefügt und nachgearbeitet.
„Das kommt bei Stücken des 18. Jahrhunderts aber eigentlich nicht vor“
„Das kommt bei Stücken des 18. Jahrhunderts aber eigentlich nicht vor“, so der Sachverständige. Es sehe also „wahnsinnig englisch“ aus, komme aber aus deutscher Produktion. Hergestellt wurde es nämlich in Hanau.

Dennoch war der Pokal einiges wert, schließlich war er aus Silber gefertigt. Die 3.500 Euro, die sich Stefan für den Pokal wünschte, waren aber nicht drin. Auch wenn er einst 3.000 Euro dafür bezahlt hatte.
So liege der Silberwert lediglich bei 1.150 Euro. Demnach ging die Schätzung auch nicht höher als 1.500 bis 1.900 Euro. Spannend: Wäre der Pokal wirklich aus dem 18. Jahrhundert würde der Preis bei 3.200 bis 4.500 Euro liegen.
Das zahlten die Händler natürlich nicht. Und so gab es von Julian Schmitz-Avila am Ende nur 1.460 Euro. Als nicht einmal die Hälfte von Stefans Wunschpreis.
Dieser Artikel erschien zuerst unter „Bares für Rares“-Kandidat wurde über den Tisch gezogen: Experte bemerkt es sofort auf DerWesten.de.