Ein Border Collie namens Chutou begeisterte Millionen Menschen im Internet – doch sein Leben nahm ein tragisches Ende. Der Fall löst eine Debatte über Tierschutz aus.
Peking – Chutou war kein gewöhnlicher Hund. Jahrelang begleitete der weiß-grau gesprenkelte Border Collie seinen Besitzer Guo, einen Reiseblogger, auf Reisen durch China – und anderthalb Millionen Follower verfolgten die Abenteuer des Duos auf der Videoplattform Douyin. Sein Name bedeutet auf Chinesisch „Hacke“ und erinnert an die Felder der Provinz Henan, wo er aufwuchs.

Doch als Guo kürzlich allein in den Urlaub fuhr und Chutou bei seinen Eltern ließ, nahm die Geschichte ein tragisches Ende. Übrigens: Die Lufthansa hat ein Projekt gestartet, damit Besitzer große Hunde mit in den Urlaub nehmen können.

Gestohlen, verkauft, verzehrt – das Schicksal des Tierschutz-Symbols
Wie die South China Morning Post berichtet, bemerkte eines Tages Guos Vater, dass der Hund verschwunden war. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten später einen Mann und eine Frau, die Chutou auf einem Elektroscooter, versteckt unter einer Decke, abtransportierten. Guo brach demnach seine Reise ab, um nach seinem Hund zu suchen. Er spürte den mutmaßlichen Dieb in einem Nachbardorf auf und stellte ihn zur Rede. Er habe ihm sogar 10.000 Yuan (knapp 1300 Euro) geboten, um den Hund zurückzukaufen.
Der Mann behauptete Medienberichten zufolge, er habe Chutou für einen Streuner gehalten. Für gerade einmal 180 Yuan – umgerechnet rund 22 Euro – verkaufte er demnach den Hund an einen Hundefleischhändler. Der Preis wurde nach Gewicht berechnet: vier Yuan pro 500 Gramm. Noch am selben Tag wurde Chutou offenbar geschlachtet und bald darauf verzehrt. Guo suchte auch das Restaurant auf – in der Hoffnung, wenigstens das Fell seines Hundes zurückzubekommen. Doch der Metzger habe ihm gesagt: „Das Fell wurde längst in den Müll geworfen.“ Der mutmaßliche Täter habe angeboten, einen Welpen als Ersatz zu geben. Guo lehnte ab und erstattete Anzeige. Der mutmaßliche Dieb habe ihm noch mitgegeben: „Der Hund ist tot. Mach nicht so einen Aufriss, ich habe nicht gegen das Gesetz verstoßen.“
Kein landesweites Tierschutzgesetz – Hunde als Eigentum
Tatsächlich: In China existiert kein landesweites Tierschutzgesetz für Haustiere. Hunde gelten rechtlich vor allem als Eigentum; Streitigkeiten landen meist im Zivilrecht. Strafrechtlich relevant wird Diebstahl in der Regel erst ab einem Warenwert von 2000 Yuan – rund 250 Euro. Die Polizei nahm den Fall zunächst nur als Ordnungswidrigkeit auf. Ein später beauftragtes Gutachten kam jedoch zu dem Ergebnis, dass Chutou als Internetberühmtheit mehr als 2000 Yuan wert gewesen sei. Am 6. Juni 2026 wurde der Fall offiziell als Strafverfahren eingestuft. Damit könnten dem mutmaßlichen Dieb bis zu drei Jahre im Gefängnis drohen.
Die Pekinger Tierschutzorganisation Ta erklärte, die öffentliche Reaktion betreffe nicht allein den Verlust eines berühmten Hundes: „Sie spiegelt auch die Sorge über ein seit Langem bestehendes Problem wider: Haustiere können in China noch immer wie Handelsware behandelt werden.“ Der Fall zeige, wie stark der Wunsch nach klareren rechtlichen Grenzen bei Diebstahl, Handel und Tierquälerei gewachsen sei – und nach einer stärkeren Anerkennung des emotionalen Werts, den Haustiere für viele Familien inzwischen hätten.
Gesellschaftlicher Wandel: Haustiere verdrängen Kinder
Haustiere werden in China immer häufiger zu Familienmitgliedern – und zum Kinderersatz. Vergangenes Jahr überstieg die Zahl der Haustiere erstmals die der Kinder unter vier Jahren. Zwei Drittel der Haustierbesitzer sind jünger als vierzig. Vor allem unter jungen Männern ist der Anteil der Haustierbesitzer in den vergangenen Jahren angestiegen, wie eine Studie im Magazin One Health belegt. Für viele jüngere Chinesen ist Tierschutz deshalb längst kein Luxusproblem mehr. Einige Städte haben den Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch bereits verboten, und 2020 strich das Landwirtschaftsministerium Hunde von der Liste der Nutztiere. (Quellen: Frankfurter Allgemeine Zeitung, South China Morning Post, The Independent) (ial)