Was aussieht wie Kellerkram, entpuppt sich bei „Bares für Rares“ als kleine Rarität. Warum das Bauchgefühl der Verkäufer recht hatte.
Manchmal reicht ein Bauchgefühl – und aus einem vermeintlichen Kellerfund wird plötzlich eine echte Rarität. Genau das erleben Martina und Kay aus Lübeck bei „Bares für Rares“. Ihr angeblich schlichter Zinnbecher entpuppt sich in der Sendung als antikes Silberstück mit spannender Geschichte.
„Bares für Rares“: Kellerfund entpuppt sich als handgefertigter Silberbecher
Das Ehepaar präsentiert Horst Lichter zunächst ein Objekt, das sie selbst nur wenig einschätzen können. Der Becher stammt aus dem Nachlass von Martinas Mutter und lag in einer Kiste zwischen schlichtem Zinngeschirr. Zuerst dachten die beiden, es handle sich ebenfalls um Zinn. Doch der Becher sah anders aus, wirkte deutlich hochwertiger und nobler. Ihr Bauchgefühl sagte ihnen: Da könnte mehr dahinterstecken.

Und dieses Bauchgefühl trog nicht. In der Expertise stellt sich heraus: Der Becher wurde im 18. Jahrhundert aus 750er-Silber gefertigt, innen und außen vergoldet und reich verziert. In dem Stück steckt eine Menge Handwerk – ein Silberschmied hatte es damals aufwendig in Handarbeit gefertigt. Die detailreichen Verzierungen zeigen Füllhörner, Pflanzen, Blüten sowie mehrere Sinnbilder, darunter Schwerter, eine Schlange und Georgskreuze. Letztere verweisen auf den heiligen Georg, den Schutzpatron Englands. Die kleine Ironie dahinter: Trotz des englischen Motivs stammt der Becher gar nicht von der Insel, sondern aus Hamburg.
Silberbecher aus Hamburg kommt gut an bei „Bares für Rares“
Die Marken auf der Unterseite verraten sogar recht genau, wann das Stück entstanden ist. Das Hamburger Zeichen mit den Türmen und dem Buchstaben „W“ wurde zwischen 1738 und 1749 genutzt, dazu passt die Marke des Silberschmieds Hinrich Brahmfeld. Damit lässt sich der Becher exakt in diese Jahre datieren – er wurde also vor rund 280 Jahren in Hamburg gefertigt. Horst Lichter kann seine Begeisterung nicht zurückhalten und entlockt sich ein hörbares „Wow“.
Ganz makellos ist der Fund allerdings nicht. Dellen, eine kleine Beschädigung am Rand und die abgenutzte Vergoldung trüben den Gesamteindruck. Der reine Silberwert liegt laut Experte Patrick Lessmann (51) bei etwa 250 Euro. Aufgrund seines Alters und seiner Historie schätzt er den Marktwert allerdings deutlich höher ein: 1.300 bis 1.500 Euro könnte das Stück bringen. Im Händlerraum entwickelt sich anschließend ein zäher Bieterkrimi. Die Gebote starten beim reinen Silberwert und klettern nur langsam nach oben. Am Ende einigen sich Martina und Kay mit Julian Schmitz-Avila (39) auf 600 Euro. Nicht der ganz große Jackpot, aber immer noch mehr als das Doppelte des Materialwerts – und für das Ehepaar aus Lübeck ein rundum gelungener „Bares für Rares“-Deal.
Auch dieser Fund verzückte zuletzt bei „Bares für Rares“
Dass unscheinbare Objekte bei „Bares für Rares“ plötzlich zum Publikumsliebling werden, hat Verkäuferin Giulia erst vor Kurzem erlebt. Die Dreifach-Mama brachte eine kuriose Katzen-Spieluhr mit ins Pulheimer Walzwerk – ein Fundstück, das ihre Familie zufällig aus einer geschenkten Gartenhütte übernommen hatte. Beim Kurbeln lassen sich drei Papier-Kätzchen zum Tanzen bringen, eine größere Katze spielt sogar Geige. Kein Wunder, dass Horst Lichter beim Anblick begeistert „Ah nee, wat süß!“ ausrief.
Auch Experte Sven Deutschmanek erkannte den Charme des Stücks sofort: Das „Katzenorchester“ stamme aus Leipzig und sei um 1900 gefertigt worden. Doch die eigentliche Überraschung folgte im Händlerraum. Statt der taxierten 400 bis 500 Euro entwickelte sich ein regelrechter Bieterwettstreit, an dessen Ende Daniel Meyer stolze 1.000 Euro für die Rarität zahlte – fast das Doppelte des Expertenwerts. Giulia verließ das Studio anschließend überglücklich: „Es war traumhaft.“
