„Ich geh‘ nach Hause“: So frech sticht ein „Bares für Rares“-Händler seinen Kollegen aus

Ein seltenes „Experiment“ des berühmten Glas-Künstlers Emile Gallé löst bei „Bares für Rares“ ein hitziges Bietergefecht aus. Mit einem geschickten Schachzug macht Fabian Kahl schließlich das Rennen.

Köln – Der französische Kunsthandwerker Emile Gallé (1846 bis 1904) ist vor allem für seine farbenfrohen, geätzten Überfang-Vasen aus Glas bekannt. Die bunten Gefäße mit den meist floralen Mustern sind für Freunde der Glaskunst auf den ersten Blick erkennbar. Auch zu „Bares für Rares“ haben Vasen aus der Gallé-Werkstatt in Nancy ihren Weg bereits gefunden. Eine Verkäuferin hat so etwa ein kleines Vermögen für einen Flohmarktfund erzielt.

Fabian Kahl hat noch ein Ass im Ärmel.
Fabian Kahl hat noch ein Ass im Ärmel. © ZDF (Screenshot: Fuldaer Zeitung)

Dass es sich bei der diesmal zum Verkauf stehenden Vase um ein Stück von Gallé handelt, ist dagegen nicht auf den ersten Blick erkennbar. Händlerin Susanne Steiger zeigt sich jedenfalls sichtbar überrascht, als sie die Signatur am Boden der Vase entdeckt. Denn das kleine Glasgefäß, das bequem in einer Hand Platz findet, stammt aus einer experimentellen Phase des lothringischen Künstlers.

Bietergefecht bei „Bares für Rares“ findet kurioses Ende

„Schon damals hat man sich als Unternehmer umgeschaut, was denn die Konkurrenz so macht“, berichtet Kunsthistorikerin Dr. Bianca Berding, die Zuschauern kürzlich einen Einblick in die verborgene Welt hinter dem Experten-Tisch gewährte. Und damals – die Vase stammt aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts – habe eine Manufaktur aus Böhmen wahnsinnige Verkaufserfolge mit silberverzierten Glasvasen gefeiert.

Also habe Gallé das auch mal ausprobiert. Die Vase aus dem Besitz des Ehepaars Diana und Christian Hartung aus Unterfranken, die das Jugendstil-Stück mit zu „Bares für Rares“ gebracht haben, besteht demnach aus drei Schichten unterschiedlich gefärbten Glases. Die erste Schicht ist durchsichtig. Dann folgt eine bernsteinfarbene. Die letzte Schicht wurde dunkelrot am Boden aufgetragen und dann in einem Muster nach oben gezogen, erläutert Fachfrau Berding.

 

 

Und schließlich folgt das Besondere: Ein Silberschmied belegte die Vase mit einem filigranen Muster aus Silber. „Das wurde alles von Hand gehämmert, das Silber mit großer Hitze mit dem Glas verschmolzen“, so die Kunsthistorikerin. Dabei habe die Hitze das Glas nicht berühren dürfen, weil es sonst zu Verfärbungen gekommen wäre.

Ganz sei das nicht gelungen, weshalb die Vase nun rund um die Silberornamente eine grüne Farbe angenommen habe. Für „Bares für Rares“-Händler Daniel Meyer macht aber genau das den Reiz aus: „Wir haben hier wirklich ein Glas-Experiment vor uns, und das ist spannend. Das gibt es so nicht noch mal.“

„Bares für Rares“-Händler hat noch ein Ass im Ärmel

Und tatsächlich gab Gallé die Herstellung solcher Vasen bald wieder auf, wohl auch aus Sorge, seine Wiedererkennbarkeit einzubüßen. 1500 Euro wünschen sich die Verkäufer für das seltene Stück, Bianca Berding gab gar eine Spanne von 1800 bis 2500 Euro in ihrer Expertise an.

Doch was sind die Händler bereit, für dieses „Experiment“ zu zahlen? Die ersten Gebote wirken ernüchternd. Fabian Kahl startet mit lediglich 300 Euro. Doch tatsächlich interessieren sich alle fünf Händler für das seltene Stück. Neben Kahl und Meyer sind dabei Susanne Steiger, Markus Wildhagen und Christian Vechtel.

Schnell geht es hoch auf 1500 Euro. Meyer fragt hier nach der Expertise. Dann wird weitergeboten, bei 2300 Euro steigen Wildhagen und Kahl aus. Es läuft auf ein Duell zwischen Christian Vechtel und Daniel Meyer hinaus. Fabian Kahl, der zwischen den beiden sitzt, schaltet sich als „ehrenamtlicher Anwalt der Verkäufer ein“. Er versucht beide Händler bei der Stange zu halten, in Zehn-Euro-Schritten geht es nach oben.

Bei 2500 Euro scheint Vechtel das Duell gewonnen zu haben. Doch dann meldet sich mit einem süffisanten Grinsen in Richtung des Münsteraners noch einmal Fabian Kahl zu Wort: „Ich biete noch 2550.“ Vechtel steht daraufhin von seinem Stuhl auf: „Ich geh’nach Hause, ich hab‘ keine Lust mehr. Was soll das denn jetzt?“

Bei „Bares für Rares“ wird eine Vase aus der experimentellen Phase von Emile Gallé verkauft.
Bei „Bares für Rares“ wird eine Vase aus der experimentellen Phase von Emile Gallé verkauft. © ZDF

Mit einem Lachen macht der Thüringer Fabian Kahl den Deal in der ZDF-Trödelsendung perfekt. Frechheit setzt sich eben manchmal durch. Und die Geduld der Verkäufer bei „Bares für Rares“ ebenfalls. Sie gehen jetzt mit 50 Euro mehr als dem Top-Expertisenpreis nach Hause.

Dass eine Rarität in der ZDF-Trödelshow so beliebt ist, dass die Händler sich in ein Bietergefecht verstricken und so den Preis in die Höhe treiben, wünscht sich wohl jeder Verkäufer bei „Bares für Rares“: So geschehen etwa mit einem Flohmarkt-Fund aus der Rhön, den gleich drei Händler haben wollen. Und bei einem alten Werbeschild aus Emaille vergessen die Händler gleich reihenweise ihren Geschäftssinn.

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