Julian Schmitz-Avila feiert Zehnjähriges: „Bares für Rares war ein Elfmeter“

Julian Schmitz-Avila ist seit zehn Jahren bei „Bares für Rares“. Das große Interview zum Jubiläum im ZDF.

Ihn als „Bares für Rares“-Urgestein zu bezeichnen, ist wahrlich nicht übertrieben. Seit 2015 ist Julian Schmitz-Avila fester Bestandteil des Händlerteams der beliebten ZDF-Show. Grund genug, um zum zehnjährigen Jubiläum mal einen Blick zurückzuwerfen.

Im großen Interview zum Zehnjährigen verrät uns der Kunsthändler aus Bad Breisig, wie das Abenteuer „Bares für Rares“ für ihn anfing, wie sein Vater auf seinen allerersten Kauf reagierte, und wie Horst Lichter seine neue Frisur findet.

Herzlichen Glückwunsch zum 10-jährigen „Bares für Rares“-Jubiläum. Wie hat alles angefangen?

Vielen Dank! Ich habe damals bei meinem Vater gearbeitet. 800 Euro netto bei einer 6-Tage-Woche. Dann kam plötzlich der Anruf, ob ich mir nicht vorstellen könnte, bei „Bares für Rares“ mitzumachen. Und so habe ich mir nach kurzem Überlegen bei einem Kumpel 2.000 Euro geliehen, und bin damit nach Pulheim gefahren.

 

Kannst du dich noch an deinen ersten Dreh-Tag erinnern?

Mein erster Dreh-Tag war mit dem lieben Wolfgang, Lucki, Waldi, Susi und mir. Ich hatte damals einen Vollbart, schütteres Haar, wog 115 Kilo und saß in einem Sakko meines Vaters am Händlertresen. Alles irgendwie zusammengeschustert und zusammen geliehen, aber ich habe versucht, meinen Weg zu finden.

Das ist dir ja gelungen. Weißt du noch, was du als allererstes gekauft hast?

Ohja, das war ein Schrägklappensekretär in Eiche. Ich bin als Händler für Möbel und
Einrichtungsgegenstände des frühen 18. bis frühen 19. Jahrhunderts gecastet worden, und da haben sie sich damals sogar echt noch die Mühe gemacht, und etwas in der Art herausgesucht. Es war allerdings ein Scheißmöbel, das brauchte man wirklich nicht (lacht). Ich meine, ich habe 400 Euro bezahlt, dafür gibt es auf dem freien Markt vielleicht noch 250. Mein Vater hat einen Tobsuchtsanfall gekommen und mir gesagt, dass ich es in irgendein Lager stellen soll. Ich weiß noch, wie er geschimpft hat. „Was willst du mit der ganzen Scheiße hier? Was soll der Kack?“

Ich habe dann aber schnell festgestellt, dass Möbel und Einrichtungsgegenstände aus dem 18. Jahrhundert relativ selten ihren Weg zu „Bares für Rares“ fanden, also habe ich mein
Interessensfeld geöffnet und erweitert. Dafür bin ich der Sendung auch sehr dankbar. Sie hat mir die Tür zu anderen Epochen geöffnet hat. Mittlerweile bin ich Generalist. Ich bin ausgebildeter Diamantgutachter, ich bin Juror beim ‚Young Designers Corner‘, ich fahre nächstes Jahr zu Schmuckmessen in Bangkok, Denver oder Tucson. Ich arbeite gerade daran, als Auktionator von der IHK öffentlich bestätigt und vereidigt zu werden, die Ausbildung zum Gemmologen steht auch noch an. Ich sage immer, „Bares für Rares“ war ein Elfmeter, aber verwandeln musste ich ihn selbst.

Was hat sich für dich noch verändert?

Du verhältst dich anders. Ich gehe seit zehn Jahren nicht mehr über rote Ampeln, passe in der Öffentlichkeit viel mehr auf, wie ich mich gebe. Wenn du einmal blöd auf den Boden schaust, musst du dir anhören, du wärest abgehoben. Ich schütze dieses Geschenk, das ich bekommen habe, wie meinen Augapfel.

Ich weiß noch, als ich bei „Bares für Rares“ angefangen habe, war ich ein riesiger Chaot. Mittlerweile bin ich eine feste Größe, eine Vertrauensperson für viele Leute, das habe ich dem Format und der großen Familie, die das Team mittlerweile ist, zu verdanken.

Hättest du zu Anfang gedacht, dass sich die Sendung so famos entwickeln würde?

„Bares für Rares“ war schon vor meinem Start erfolgreich. Aber man muss sagen, dass es in den Jahren danach – nicht meinetwegen, um Gottes Willen – erst richtig los ging. Plötzlich lief die Sendung täglich. Sogar im Ausland gab es „Bares für Rares“. Wir hatten Einschaltquoten von bis zu 30 Prozent …

Die habt ihr immer noch.

Das hätte ich niemals für möglich gehalten. Ich bin mittlerweile Testamentsverwalter von
Leuten, die ich noch nie in meinem Leben gesehen haben, die mich aber seit zehn Jahren im TV sehen und wissen: Ich bin Jesuitenschüler, und sie können sich auf eine ordnungsgemäße Abwicklung ihrer Geschäfte verlassen. Dieser Vertrauensbonus ist wirklich ungemein.

Du gibst aber auch zurück. Beispielsweise bei der Flut im Ahrtal.

Ja, wir haben damals eine große Spendenaktion gemacht. Ich war Schirmherr bei einem Markt von Don Bosco. Du hast mittlerweile wirklich ein Standing in Deutschland. Das weiß ich sehr zu schätzen. Und dementsprechend versuche ich das auch durch mein Verhalten, durch meine Taten zu schützen.

Insgesamt ist das komplette Team noch nie durch Skandale aufgefallen.

Stimmt. Es ist in all den Jahren nie zu Problemen gekommen. Natürlich passieren auch uns
Fehler, wer da etwas anderes behauptet, lügt. Wir passen aber ungemein auf, dass niemand bei uns verarscht wird. Es geht ja nicht nur darum, dass wir ein gutes Geschäft machen.

Merkst du, dass die Leute bei dir andere Preise aufrufen als vielleicht bei Kollegen, die nicht prominent sind?

Natürlich. Die Erwartungshaltung der Leute hat sich stark verändert. Das ist aber in jedem
Bereich so, nicht nur im Geschäft. Im Restaurant wird mir das teurere Gericht zuerst angeboten, auf Antik- oder Flohmärkten werden direkt die Preisschilder entfernt, wenn sie mich sehen. Auf der anderen Seite können wir durch die Sendung wahnsinnig Werbung für uns machen. Ich werde von Leuten angerufen, die mir bedeutende kunsthistorische Sammlungen anbieten. Das ist toll.

Wirst du die Dinge, die du im TV gekauft hast, besser los?

Das war mal so. Besonders in Corona-Zeiten war „Bares für Rares“ fast wie ein Teleshopping-Kanal (lacht).

Ist es ein Nachteil, dass die Menschen wissen, was du bezahlt hast?

Die Befürchtung hatte ich zu Anfang auch. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Die Transparenz macht es aus. Deswegen kaufe ich auch gerne oberhalb der Expertise. Ein Beispiel: Wenn die Expertise bis 1.000 Euro geht, und ich zahle 700, dann kommen nur so Typen, die mir 850, 900 geben wollen. Kaufe ich aber ein Stück für 1.500 Euro, wenn die Expertise nur 1.000 beträgt, dann kann ich sagen, was ich nehmen will. Und wer nicht will, der will nicht. Eine Expertise ist am Ende des Tages auch nur die Meinung eines Experten. Das darf man nicht alles für bare Münze nehmen.

Wie lange möchtest du noch weitermachen?

Ich habe jetzt erst einmal für die nächsten drei Jahre unterschrieben.

Du hast „Bares für Rares“ vorhin als Familie beschrieben. Wie ist euer Verhältnis untereinander?

Wolfgang, Fabian, Susi, Daniel, Waldi – das sind wirklich echte Freunde. Und Horst ist die Mutter der Kompanie. Wir ticken in vielen Dingen ähnlich, haben beide ein Faible fürs Essen (lacht). Tatsächlich hat Horst immer ein offenes Ohr, sowohl für uns als auch für die einzelnen Gewerke. Er ist jemand, bei dem man sich etwas abgucken kann.

Inwiefern?

Horst hat in seinem Leben nicht nur Höhen erlebt. Wir kennen das ja alle, die schönen Momente im Leben sind leicht, doch in den schweren Tagen den Durchblick nicht zu verlieren, ist die Herausforderung. Und das ist auf jeden Fall etwas, das man sich bei Horst abschauen kann. Er gibt mir aber auch Feedback zu meinen Frisuren (lacht).

Was sagt er zu deiner Neuen?

Oh, da ist er sehr angetan (lacht).

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