Ein vergoldeter Silber-Gebäckwärmer fasziniert bei „Bares für Rares“ im ZDF. Das seltene Stück aus Hanau birgt eine überraschende Geschichte.
Köln – In der Folge der beliebten ZDF-Trödelshow „Bares für Rares“ mit Moderator Horst Lichter vom 21. April bringen Brigitte und Guido Koch aus Aachen einen vergoldeten, über 120 Jahre alten Silber-Gebäckwärmer aus der Hanauer Manufaktur Schleissner und Söhne zum Verkauf in das Walzwerk in Pulheim bei Köln.


Zuletzt sorgte indes ein Schrottwichtel-Vogel bei „Bares für Rares“ für Aufsehen. Er ähnelte sehr dem Kakadu, der zum Maskottchen bei Bayern München geworden ist. Nationalspieler Leon Goretzka präsentierte beim Feiern im Stadion erneut den Porzellan-Kakadu. Seit 2025 ist das Tier zu einer kuriosen Kultfigur beim Rekordmeister geworden, wie auch die tz berichtet.

Silberner Gebäckwärmer aus Hessen begeistert bei „Bares für Rares“
Doch zurück zu dem Biscuit Warmer – oder dem Gebäckwärmer. Das Objekt aus 800er Silber ist so etwas wie ein Vorläufer moderner Toaster, um Gebäck warmzuhalten, heißt es bei „Bares für Rares“. „Das zeugt von Stil und Eleganz!“, sagt Horst Lichter und tendiert dazu, die Herkunft des Stücks in England zu verorten. Doch weit gefehlt.
Zunächst aber berichtet Guido Koch, dass der Gebäckwärmer ein Erbstück seines verstorbenen Vaters ist. „Mein Vater war großer Fan von ,Bares für Rares‘“, berichtet er. Sein Vater habe gewollt, dass das Stück in die Trödelsendung kommt.
„Die viktorianische Tischkultur war sehr ausgeklügelt“, beginnt dann die Kunstsachverständige Heide Rezepa-Zabel ihre Expertise. Mit Blick auf das außergewöhnliche Erbstück spricht die Kunsthistorikerin von einem „Statussymbol“. „Glanzvoll steht es in der Mitte der Tafel und bietet duftendes, lockeres Gebäck“, schildert sie und schwärmt: „Ein fantastisches Stück.“ Das Gebäck wird in den Wärmer eingefüllt. Dieser wird dann vor einer Feuerstelle zum Aufwärmen gestellt, bevor das erwärmte Gefäß auf den Tisch kommt.
Die Expertin spricht von einer „pompösen Ausführung“, gefertigt in Deutschland, im Kinzigtal, von der 1680 begründeten Silberwaren-Manufaktur J. D. Schleissner Söhne aus Hanau. Das im 17. Jahrhundert, also vor über 330 Jahren, gegründete Unternehmen existiert heute noch, als W.K. Schleissner Silber in Gründau. „Man mochte diese Stücke auch im wilhelminischen Kaiserreich“, sagt Heide Rezepa-Zabel.
Die Expertin führt weiter aus, dass das Unternehmen, das für exquisite Silberarbeiten bekannt ist, „den antiken Stil des 19. Jahrhunderts so populär gemacht hat, dass man nicht nur von Hanauer Stil redete, sondern von Stil Schleissner“. Außen besetzt ist das silberne Stück mit Putten, mit Knabenfiguren, besetzt, die Lebensfreude und Überfluss symbolisieren.

Das kunstvoll verarbeitete Stück ist innen vergoldet, außen ist es mit einem rocaillierten Blattwerk verziert. Aufgrund der Machart des Blattwerks schätzt Heide Rezepa-Zabel, dass der Wärmer zwischen 1880 und 1900 gefertigt worden ist. Das Objekt wiegt über ein Kilogramm. Der Silberankaufswert liegt bei 1200 Euro. Die Expertin schätzt den Wert auf 1400 Euro.

Im „Bares für Rares“-Händlerraum, in dem dieses Mal sowohl Elisabeth Nüdling aus Fulda als auch Sarah Schreiber, die kürzlich nach einer langen Babypause zurückkehrte, und Fabian Kahl dabei sind, erkennt Wolfgang Pauritsch sofort, dass der Biscuit Warmer aus der Silberwaren-Manufaktur J. D. Schleissner Söhne aus Hanau kommt.
„Wie kann man denn feststellen, dass der Biscuit Warmer so alt ist. Er wird ja heute noch genauso produziert“, wendet Fabian Kahl ein. Verkäuferin Brigitte Koch verweist auf die besondere Muschelform des Gebäckwärmers und die Machart des zierenden Blattwerks. Wolfgang Pauritsch gibt das Erstgebot ab: 700 Euro.
Alle fünf Händlerinnen und Händler versuchen, das Schätzchen zu bekommen. „Ich komme von uns am nächsten aus Hanau“, sagt Sarah Schreiber. Ihr Auktionshaus befindet sich in Niedernhausen im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. „Ich finde es sehr bezaubernd.“ Elisabeth Nüdling, bekanntlich ebenfalls in Hessen beheimatet, ergänzt: „Sehr süß!“

Nach zahlreichen Geboten kauft Sarah Schreiber letztlich das kunstvolle Silberstück für 1600 Euro. „Ich beglückwünsche dich zu dieser Parade-Kunst der Hanauer Gold- und Silberschmiede. Wirklich phänomenal!“, sagt Wolfgang Pauritsch zu Sarah Schreiber. Das Verkäufer-Ehepaar zeigt sich begeistert von dem erzielten Verkaufspreis.