Ein Ehepaar aus der Rhön verkauft eine Hermes-Bronzestatue. Die Spur von der Figur führt bei „Bares für Rares“ zurück in das antike Herculaneum.
Köln – Eine Hermes-Darstellung in der beliebten ZDF-Trödelshow „Bares für Rares“: Nicole und Stefan Bonifer aus Geroda in der bayerischen Rhön bringen eine Bronzestatue des französischen Bildgießers und Galeristen Ferdinand Barbedienne zum Verkauf in das Walzwerk in Pulheim bei Köln.


Bei „Bares für Rares“ machte zuletzt Händlerin Liza Kielon ein Haar-Geständnis. Die Inhaberin eines Tattoo-Studios verzichtete auf den Kauf einer goldenen Spange. „Ich bin sehr unbegabt, was meine eigenen Haare betrifft. Das muss ich leider zugeben“, sagte Kielon. „Beim Zopfflechten hört es auf.“

„Bares für Rares“: Spur von Bronze-Figur führt nach Herculaneum
Doch zurück zu der Hermes-Statuette, die das Ehepaar aus dem Landkreis Bad Kissingen in Unterfranken (Bayern), das aber ursprünglich aus Offenbach in Hessen stammt, verkaufen möchte. „Ich kann im Jahr 320 vor Christus beginnen, in der Zeit von Alexander dem Großen“, startet Bianca Berding ihre Expertise.
„In dieser Zeit hat ein griechischer Bildhauer diese Figur in sehr viel größer geschaffen“, führt die „Bares für Rares“-Kunsthistorikerin aus. Manche Experten weisen den sitzenden Hermes aus der Villa dei Papiri in Herculaneum, einer antiken Stadt am Golf von Neapel, die beim Vesuv-Ausbruch im Jahr 79 nach Christus untergegangen ist, dem griechischen Bildhauer Piston zu.
Der sitzende Hermes aus Herculaneum wurde im 18. Jahrhundert ausgegraben und befindet sich jetzt im Archäologischen Nationalmuseum Neapel (Inventarnummer NM 5625). Laut Bianca Berding ist die Hermes-Statuette in Herculaneum eine Nachahmung des griechischen Originals und stammt von einem römischen Bildhauer des ersten Jahrhunderts.
Diese Figur sei es, die nun im Museum in Neapel zu sehen ist. Bei dem dargestellten Hermes handelt es sich in der griechischen Mythologie unter anderem um den Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, der Kaufleute und der Hirten. Die nun angebotene Bronze-Nachahmung stammt von dem Bildgießer und Galeristen Ferdinand Barbedienne (1810-1892).
Bianca Berding datiert die unbeschädigte Figur auf Ende des 19. Jahrhunderts oder Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie schätzt den Wert auf 700 bis 900 Euro. Die Verkäufer hatten sich eigentlich etwa 1500 Euro für das Erbstück gewünscht. Doch dafür gebe es die Figur zu häufig in unterschiedlichen Größen auf dem Markt.

Im „Bares für Rares“-Händlerraum sind dieses Mal sowohl Elisabeth Nüdling aus Fulda als auch Sarah Schreiber, die kürzlich nach einer langen Babypause zurückkehrte, und Liza Kielon, die auch Käufer auf eBay begeistert, nicht dabei, dafür aber unter anderem Fabian Kahl und Susanne Steiger.

„Das ist schon eine große Figur. Außergewöhnlich. Barbedienne ist bekannt für diese antiken Rezeptionen“, sagt Fabian Kahl, nachdem die Gebote bei 520 Euro stehen. „Ich habe mir mal gemerkt, dass Aktdarstellungen von Damen in dieser Größe immer so um 800 Euro kosten“, sagt sein Kollege Daniel Meyer.
„Die Männer sind deutlich günstiger“, nimmt Susanne Steiger die Steilvorlage auf. „Das ist ein Produkt, das 2000 Jahre nicht aus der Mode gekommen ist. Das ist ein gutes Invest für die nächsten 2000 Jahre“, sagt Daniel Meyer. Letztlich kauft „Bares für Rares“-Händler Markus Wildhagen die Hermes-Bronze für 720 Euro.
„Ich wünsche mir für die Figur, dass sie einen schöneren Ort bekommt als bei uns. Bei uns stand sie nur in der Ecke“, hofft Verkäufer Stefan Bonifer, dass die Hermes-Statuette über Markus Wildhagen nun in Liebhaber-Hände kommt. „Eine sehr elegante Figur“, gratuliert Fabian Kahl seinem Händlerkollegen zum Kauf.
