„Bares für Rares“-Händler geht für ramponiertes Gemälde über Schmerzgrenze – „Tut mir leid“

Verkäufer Hans-Jürgen bringt ein über 100 Jahre altes Ölgemälde in erbarmungswürdigem Zustand mit zu „Bares für Rares“. Dennoch will ein Händler das Bild haben – und zahlt sogar mehr, als er für richtig hält.

Köln – Horst Lichter und Hans-Jürgen Weber sind gleich auf einer Wellenlänge. „Freunde nennen mich Bärchen“, sagt der Düsseldorfer Rentner, der früher bei der Stadt angestellt war. „Ach, deshalb?“, reagiert der „Bares für Rares“-Moderator und deutet auf das schwarze T-Shirt mit dem kunterbunten Bären, das Hans-Jürgen trägt. „Dann erkläre ich uns hiermit zu Freunden, ich bin der Hotte.“

Stark beschädigt, verschmutzt und wenig fachmännisch übermalt – dennoch möchte ein „Bares für Rares“-Händler dieses Bild haben.
Stark beschädigt, verschmutzt und wenig fachmännisch übermalt – dennoch möchte ein „Bares für Rares“-Händler dieses Bild haben. © ZDF (Screenshot: Fuldaer Zeitung)

„Bärchen“ hat ein kleines Gemälde – Öl auf Karton – aus dem Jahr 1911 mit ins „Bares für Rares“-Studio ins Pulheimer Walzwerk gebracht. Gemalt hat dies der Düsseldorfer Maler Hans Wacker-Elsen (1868 bis 1958), der später in die Niederlande ausgewandert ist. Das Bild trägt den Titel „Hochseefischer“ und zeigt eine dramatische Szenerie: Drei Fischerboote sind auf stürmischer See unterwegs, der Himmel wolkenverhangen. Verkäufer Hans-Jürgen wünscht sich 500 Euro für seinen Flohmarktfund – 30 Euro hatte er bezahlt.

„Bares für Rares“-Händler kauft ramponiertes Gemälde – aus Mitleid

Solche Szenen auf dem Meer gehörten laut Experte Colmar Schulte-Goltz zu den Motiven, die Hans Wacker-Elsen häufig gemalt hat. Zudem befindet sich das Gemälde in einem äußerst schlechten Zustand: es fehlt der Rahmen, die Ecken und Kanten sind stark beschädigt, das Bild selbst ist verschmutzt, weist Schäden auf und wurde bereits wenig fachmännisch übermalt. Kurz: Der „Bares für Rares“-Experte will bei 500 Euro nicht mitgehen. Auf 140 bis 275 Euro schätzt er einen realistischen Preis.

Auch Händler David Suppes, der zuletzt mit amüsanten Instagram-Reels für Gold als Wertanlage warb, möchte sofort wissen: „Wie kam das Bild in diesen Zustand?“ Daraufhin berichtet Hans-Jürgen vom Trödelmarkt-Fund. „Sie haben es also gerettet“, wirft daraufhin Susanne Steiger ein, die mit 50 Euro dann auch das erste Gebot abgibt. „Leider ist der Rahmen weg und es ist nicht gut gelagert worden“, bringt es dann Roman Runkel, der sich zuletzt irritiert über den abrupten Abbruch einer Verhandlung durch den Verkäufer gezeigt hatte, auf den Punkt.

„Also, das Bild tut mir leid“, sagt er dann und bietet 100 Euro. Susanne Steiger geht noch auf 120 Euro, Runkel erhöht auf 130 Euro. Sein letztes Wort – eigentlich. Denn schon dieser Preis scheint ihm eigentlich zu viel: „Es ist wirklich viel dran zu machen, das steht in keinem Verhältnis.“

Doch nun zeigt der Verkäufer sein Verhandlungsgeschick. Mutig wirft er ein: „Wie sieht es mit 150 Euro aus?“ Zunächst reagiert Runkel schroff mit einem knappen „ist schwierig“. Nach kurzem Überlegen stimmt er dann allerdings doch zu – und das Gemälde vom Flohmarkt wechselt für das Fünffache des Einkaufspreises den Besitzer.

Was „Bärchen“ nun mit dem Verkaufserlös macht, das weiß er schon ganz genau: „Ich gehe mal mit meiner Frau essen, und den Rest gebe ich auf dem Trödelmarkt aus. Vielleicht kommt ja noch mal so ein Schätzchen.“

 

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